Oberbayern gilt als Geburtsstätte des Bieres: Mit seinen 18.000 Hektar ist das Hopfenland Hallertau das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt, welches seit dem 8. Jahrhundert besteht. Auch die älteste Brauerei der Welt, die Klosterbrauerei Weihenstephan, wo einst schon Mönche Bier für den Eigenbedarf brauten, ist in Oberbayern zu finden. Ingolstadt, die zweitgrößte Stadt Oberbayerns, steht ebenfalls ganz im Zeichen des Bieres. Das hier vor 500 Jahren ausgerufene Reinheitsgebot ist das älteste, noch heute gültige Verbraucherschutzgesetz. Das weltberühmte Erdinger Weißbier wird seit über 130 Jahren in der größten deutschen Weißbierbrauerei im Familienbesitz gebraut und steht bis heute für gepflegte bayerische Weißbierkultur und Genuss.

Etwas lernen – und aktiv werden

Ein Mann hält Hopfen in seinen HändenHopfen ist Oberbayerns größter Schatz und Kulturgut zugleich ©oberbayern.deMit verschiedenen Aktivangeboten entlang der Hopfen-Schleife im Norden Oberbayerns können Radler nicht nur mehr über die Entstehung des Bieres erfahren, sondern auch aktiv erleben. Bei Hopfenerlebnisführungen mit den Hallertauer Hopfenbotschafterinnen dürfen Gäste selbst bei der Ernte mit anpacken: Auf dem Hopfenerlebnishof Blomoser kommen sie beispielsweise neben dem „Hopfabrocker“, wie die Hopfenernte früher genannt wurde, in den Genuss von Bierverkostungen und weiteren kulinarischen Schmankerln wie Hopfenlimo und Schmalzgebäck. Auch beim Erdinger Weißbier kann man hinter die Kulissen blicken: Bei einer Führung durch die Privatbrauerei Erdinger kann die Geschichte des Bieres erlebt und das Bier anschließend verköstigt werden. Der Tag wird mit einem entspannenden Aufenthalt in der nahegelegenen Therme abgerundet.

Alles über die Geschichte der Bierherstellung erfahren Interessierte im Brauereimuseum zu Altomünster im Landkreis Dachau. Hier erzählen historische Brau-Gerätschaften und Werkzeuge auf anschauliche Weise die Braugeschichte. Anschließend kann das Bier ein Haus weiter in der Gaststube der Privatbrauerei Käpplerbräu verkostet werden. Interessant wird es auch im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm: Nach einem Rundgang durch die immer noch von Mönchen betriebene Klosterbrauerei Scheyern kann in Wolnzach die Schlossbrauerei Au-Hallertau besucht werden, wo seit mehr als 400 Jahren Bier gebraut wird. In der nahegelegenen Urban Chestnut Brauerei trifft dann die Brau-Tradition auf Moderne – das Wissen eines einheimischen Braumeisters fließt mit Braukenntnissen der USA zusammen, was die Brauerei zu einem Ort der Bier-Innovationen macht. Auch das Deutsche Hopfenmuseum ist einen Besuch wert, der mit der „Wolnzacher Bierprobe“ endet.

Verkostungen vor Ort sind möglich

Paar bewundert Biere im Deutschen HopfenmuseumEdelste, international prämierte Biere können im Deutschen Hopfenmuseum besichtigt und verkostet werden ©oberbayern.deNeben vielen geschichtlichen Highlights entlang der Hopfen-Schleife gibt es auch genügend Möglichkeiten, um das Bier zu verkosten. Der Viktualienmarkt, zugleich Startpunkt aller drei Schleifen der Wasser-Radlwege Oberbayern, begeistert Besucher mit seinem Biergarten, wo Biere aller sechs Münchner Traditionsbrauereien ausgeschenkt werden. Begeben sich Radler vom Startpunkt der Hopfen-Schleife entlang der Isar Richtung Nordwesten, so erreichen sie nach zirka zwei Stunden Fahrtzeit den Flughafen München. Hier erwartet Bierliebhaber ein weiteres Highlight: Direkt am Flughafen gelegen, können sie sich im Airbräu das frischgezapfte und eigens gebraute Airport-Bier zu Schnitzel und Spanferkel schmecken lassen. 

Etwas weiter nördlich, in der Domstadt Freising, gehen Genießer den Ursprüngen des legendären Obazda auf den Grund. Im Bräustüberl Weihenstephan wurde der bayerische Brotzeit-Klassiker nämlich erfunden: Zu viel Camembert und kein Kühlschrank ließen Katharina Eisenreich, von 1920 bis 1958 Wirtin des Bräustüberls, kreativ werden – im Original enthält das Rezept selbstverständlich einen Schuss Bier. Von Freising führt die Hopfen-Schleife hungrige Radfahrer weiter in Richtung Norden bis in die Hallertau. Während der Hopfenerntezeit bieten viele Gaststätten in der Hallertau das traditionelle „Hopfenzupfermahl“, wie es die Hopfenbauern früher ihren Erntehelfern spendiert haben, bestehend aus einer Suppe, Schweinebraten mit Kartoffel-Endiviensalat und einer süßen Nachspeise. Eines der heimischen Biere darf dabei natürlich nicht fehlen. Vorbei an Ingolstadt und gen Westen entlang der Donau erreichen Radfahrer Neuburg an der Donau, wo beispielsweise der Brauerei-Gasthof Neuwirt Bio-Brauersteak und weitere kreative Spezialitäten mit regionalem Bier auftischt.

Pünktlich zur Hopfenernte

Hofenernte in OberbayernDie „Hopfabrocker“ ernten die Dolden von Ende August bis Mitte September ©oberbayern.deGut genährt geht es schließlich über das Spargelland Schrobenhausen – nicht zu verwechseln mit dem Hopfenspargel – und Aichach zurück in die Landeshauptstadt. Unterwegs laden immer wieder erfrischende Badeseen und Flüsse zu einer Abkühlung ein, darunter die Isar, die Donau, die Amper und der Olchinger See. Und wer die Hopfenernte verpasst, für den lohnt sich ein Besuch des größten Hopfenanbaugebietes der Welt auch im Winter, wenn eine Schneedecke über der Region Freising liegt und so eine bizarre Winterlandschaft entstehen lässt.

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